Newsletter


Minus und Minus ergibt plus? So gelingt das Eisbaden

Minus und Minus ergibt plus? So ungefähr funktioniert das mit dem Eisbaden im Winter. Ein Sprung ins kalte Wasser bietet Körper und Geist viele Vorteile und bringt dich zurück in den Moment. Wir haben uns mit dieser ausgefallenen Methode der Meditation befasst.

Wenn man sich zum Thema Eisbaden auf die Recherche begibt, könnte man denken, es sei eine Erfindung von Wim Hof. Dem ist aber nicht so. Nach einem Saunagang wälzen sich erhitzte Gemüter in vielen Ländern oft freudig im Schnee. Während die Einen diese Tradition in Frage stellen sind die Anderen von den gesundheitlichen Vorteilen überzeugt. Außerdem haben wir mit der passionierten Eisbaderin und Yoga Lehrerin Kathi Klee gesprochen, die das Eisbaden für sich entdeckt hat.

The Iceman – Wim Hof

Der geborene Holländer macht Eisbaden nicht nur Mainstream sondern sorgt durch persönlichen Extremleistungen im Guinness Buch der Rekorde mit mehr als 20 Weltrekorden für Aufregung, beispielsweise bestieg er den Mount Everest nur mit Shorts bekleidet und einer Sauerstoffmaske.
Während wir schon zittern, wenn wir nur die kleine Zehe in kaltes Wasser halten, scheint Wim Hof keine Kälte zu kennen. Sein Geheimnis? Atemübungen, Yoga bzw. Stretching & Kältetherapie!  Superkräfte, as simple as that?
Seine Atemübungen gleichen der Hyperventilation, senken Schmerzrezeptoren und sorgen für einen basischen pH-Wert. Außerdem wird dabei nachweislich DMT (Dimethyltryptamin) ausgeschüttet – auch bekannt als das stärkste Halluzinogen der Natur.
Warum macht er das?
Wim Hof behält sein Geheimnis aber nicht für sich, sondern hat sich zum Ziel gesetzt der Menschheit diese „innere Weisheit“ zurück zu geben. Dabei ist er kein Prediger einer Religion sondern stützt seine Tätigkeit auf wissenschaftliche Untersuchungen. Diese zeigen, dass kalt baden u.a. leistungssteigernd, stimmungsaufhellend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und regulierend auf den ph-Wert wirkt.

Also, ab ins kalte Nass?

Die Yogalehrerin, Wild Woman und Eisbaderin Kathi Klee erzählt uns, warum sie sich regelmäßig selbst herausfordert.

Kathi, du bist zertifizierte Yogalehrerin, selbsternannte „Wild Woman“ und Eisbaderin. Inwiefern ergänzen sich diese drei Disziplinen?

Ich glaube, jeder hat etwas Wildes in sich. Wir haben nur gelernt das bestmöglich zu unterdrücken, um in unserem Leben nicht anzuecken. Eines Tages habe ich beschlossen, mich nicht mehr zu verstellen und einfach das Wilde und Verrückte in mir auszuleben. Ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wohler und auch freier. Kaltbaden ist eine Herausforderung, welche ich jedes einzelne Mal meistern „muss“. Das Gefühl danach ist unbeschreiblich und ich klopfe mir selbst auf die Schulter, dass ich es wieder geschafft habe.

Wo und wie häufig gehst du Eisbaden?

Ich mache das regelmäßig mindestens einmal pro Woche in Wien oder Kärnten. Je nachdem wo ich gerade bin und welches Gewässer in der Nähe ist. In Wien ist es die Alte Donau, in Kärnten lockt mich der Wörthersee in sein kühles Nass. Jedes Mal wenn ich nicht geplant habe, Kaltbaden zu gehen, mich aber in der Nähe von Wasser befinde, finde ich es schade nicht reinzugehen.
Bereitest du dich auf das Schwimmen im kalten Wasser vor, z.B. mit Atemübungen á la Wim Hof?
Wim Hof’s Atemübungen sind eine wunderbare Vorbereitung. Beim Kaltbaden geht es, für mich, hauptsächlich darum, meinen Atem unter Kontrolle zu halten und meinen Geist zu beruhigen. Gerade in solch unangenehmen Situationen kommt es immer wieder auf die Essenz zurück: Was machst du in diesem Moment? Versuchst du dich mental so zu stärken, dass du dieses Hindernis überwinden kannst oder bist du zu bequem und versuchst es gar nicht erst?
Mir hilft es diese Metapher vom Kaltbaden in meinen Alltag zu übertragen und ich habe gelernt wie ich mit unangenehmen Situationen umgehe: tief durchatmen, die Lage betrachten und dann handeln.
Anfangs war es für mich wirklich nicht leicht, aber ich habe gelernt mittels Atemübungen und mentaler Affirmationen mich darauf vorzubereiten. Mittlerweile fällt es mir nicht mehr so schwer. Weiters bereite ich mich auch mit Freunden auf die Kälte vor – gemeinsam macht es mehr Spaß und stärkt außerdem den Zusammenhalt.

Welche kurzfristigen und langfristigen Benefits spürst du nach dem Schwimmen im kalten Wasser?

Abgesehen davon, dass es maßgeblich zur eigenen Gesundheit und Immunabwehr beiträgt, ist es für mich viel mehr das Gefühl danach, welches ich so sehr liebe. Wenn man sich an den ersten Schock der Kälte gewöhnt hat und sich mit seiner Atmung immer mehr in die Ruhe atmet, beginnt man sich intensiv zu spüren. Ich bin zu 100% in diesem Moment und denke an nichts anderes. Ich bin in meinem Körper so sehr, wie sonst nur selten und spüre jede Zelle. Wenn dann der Punkt kommt, an dem sich das Wasser gar nicht mehr nass anfühlt und es einem so vorkommt, als ob man einfach nur schwebt – das ist dieser High-Moment, den ich nicht mehr missen möchte. Natürlich ist man beim Yoga auch achtsam im Moment und spürt seinen Körper aber jeder der schon einmal Eisbaden war, weiß wovon ich spreche wenn ich sage: Du fühlst dich wie neugeboren. Sobald man wieder rausgeht, sich abtrocknet und sich der Mundwinkel von alleine zu den Ohren zieht, breitet sich diese innerliche Wärme aus. Diese Wärme oder dieses Leben ist immer da aber wir schätzen es im Alltag einfach nicht mehr so sehr.

In den Metropolen wie New York und London kombinieren Pionier Yogastudios ihre Einheiten bereits mit Eisbaden. Dynamisches Vinyasa, gefolgt von einem kalten Bad und schlussendlich im Shavasana vor dem Kamin entspannen? Zumindest der erste und der letzte Teil klingen verlockend.
Das neue Jahr und damit auch die guten Vorsätze kommen bestimmt. Vielleicht ist der ein oder andere von Wim Hof & Kathi inspiriert und wird im neuen Jahr zur/zum Eisbader/In?

Noch mehr Barfuß Abenteuer warten bei BAREFOOT auf dich. Finde dein perfektes Yoga Hotel oder Yoga Retreat für deinen perfekten Yoga Urlaub.

Alexandra Bachler

Alexandra Bachler ist freischaffende Konzepterin, Texterin, Yogalehrerin und Veranstalterin von Retreats.

Ihre Leidenschaft ist es zu bewegen. Mit Gedanken, Worten und Yoga. Das Wichtigste im vorherigen Satz ist das Und – denn das Eine forciert das Andere. Ihr ist es wichtig, einen positiven Einfluss auf die Umwelt und Mitmenschen zu haben.